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Lohnabrechnung über Gewerbeschein (für Hostessen, Promoter, etc.)

Einführung in Gewerbeschein Anmeldung, Rechnungsstellung, Steuern und Krankenversicherung bei Promotion Jobs

Anmerkung: Wir von InStaff stellen Hostessen nicht über Gewerbeschein ein, sondern über ein reguläres Arbeitnehmer Anstellungsverhältnis im Zuge der rechtssicheren Arbeitnehmerüberlassung. Dieser Artikel dient Hostessen lediglich als Informationsquelle.

Im Prinzip gibt es zwei Arten der Lohnabrechnung von Hostessen und Promotern: Die Abrechnung als selbstständiger Promoter bzw. selbstständige Hostess über einen Gewerbeschein und eine Steuernummer und die Abrechnung über eine kurzfristige Beschäftigung. Nach einer kurzen Abgrenzung zwischen den beiden Abrechnungsarten wird in diesem Artikel jedoch ausschließlich die Abrechnung über einen Gewerbeschein erklärt - und zwar von der Anmeldung des Gewerbes über Steuern bis zur Rechnungsstellung und Fragen der Versicherung.

Gewerbeschein vs. kurzfristige Beschäftigung

Um den wesentlichen Unterschied zwischen den Abrechnungsarten zu verstehen, ist ein kurzer Exkurs ins Arbeitsrecht nötig.

Abhängiges Beschäftigungsverhältnis

Bei der kurzfristigen Beschäftigung liegt ein so genanntes “abhängiges Beschäftigungsverhältnis” vor. Das bedeutet, die Agentur tritt als Arbeitgeber und die Hostess als Arbeitnehmer auf. Die Agentur ist grundsätzlich verpflichtet, jeden Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig anzustellen (auf Ausnahmen wollen wir zunächst nicht eingehen) und muss deswegen zwei Arten von Abgaben leisten: Die Lohnsteuer, welche eine Vorsteuer der Einkommenssteuer darstellt, und die Sozialversicherungsbeiträge, bestehend aus Kranken-, Unfall-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Die SV-Beiträge setzen sich meist aus einem Arbeitnehmer- und einem Arbeitgeberanteil zusammen. Somit müssen sowohl Arbeitgeber (die Agentur) als auch Arbeitnehmer einen gewissen Prozentsatz des Bruttogehalts (Gehalt vor dem Abzug der Steuern) des Arbeitnehmers an das Finanzamt bzw. die Krankenkasse (= Sozialversicherungsträger; verantwortlich für die Sozialversicherung) zahlen.

Selbständigkeit mit Gewerbeschein

Im Gegensatz dazu ist man bei der Abrechnung über den Gewerbeschein selbstständig und tritt damit als Auftraggeber (Agentur) und Auftragnehmer (Hostess) auf. Damit verschwindet für die Agenturen die Pflicht zur sozialversicherungspflichtigen Anstellung. Somit können erstens Kosten gesenkt werden und zweitens spart man sich bei den Agenturen viel Administrationsaufwand, der durch die Abrechnung über Gewerbeschein auf die Hostess übertragen wird. Als Selbstständige ist die Hostess verpflichtet, sich um ihre Steuern und Versicherung auch selbst zu kümmern. Die Agenturen müssen sich also um nichts mehr sorgen, was für sie natürlich sehr bequem ist. Aus diesem Grund bevorzugen die meisten Agenturen / Eventveranstalter diese Abrechnungsmethode. Aber Achtung: Für Messehostessen ist diese Abrechnungsmethode allerdings rechtlich nicht erlaubt, wie beispielsweise ein Urteil des hessischen Landessozialgericht aus dem Jahr 2005 feststellt. Falls eine Hostess also selbstständig arbeiten will, sollten verschiedene Kriterien erfüllt sein, um nicht in die Problematik der Scheinselbstständigkeit zu schlittern (siehe Artikel: Scheinselbstständigkeit bei Promotern).

Gewerbeschein und Gewerbeanmeldung – Ausnahmen

Grundsätzlich ist jeder, der in Deutschland bezweckt, mit einer selbstständigen Tätigkeit Gewinn zu erzielen, verpflichtet, einen Gewerbeschein zu beantragen und damit ein Gewerbe anzumelden. Davon ausgenommen sind nach § 18 des Einkommenssteuergesetzes “freiberufliche Tätigkeiten” (die so genannten ”Freiberufler”). Dazu gehören unter anderem Ärzte, Apotheker, Notare, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und einige andere Berufe, die jedoch für Hostessen und Promoter keine Rolle spielen. Arbeitet man in einem der oben genannten Berufe, ist man nicht verpflichtet, einen Gewerbeschein zu beantragen.

Aufgrund der Gewerbefreiheit in Deutschland ist nach §1 Abs. 1 GewO grundsätzlich jeder berechtigt, in jedem Fachgebiet ein Gewerbe anzumelden. Ausnahmen bilden hier Gewerbe in Berufen, für die der Nachweis einer gewissen Qualifikation notwendig ist – beispielsweise ist in manchen handwerklichen Berufszweigen nur eine Person mit Meistergrad berechtigt, ein Unternehmen zu führen.

Gewerbeschein beantragen – So geht’s

Ein Gewerbeschein wird in der Gewerbemeldestelle der jeweiligen Kommune beantragt. Oft heißt diese Stelle „Gewerbeamt“ oder so ähnlich und ist in der Verwaltung der jeweiligen Stadt, der Gemeinde oder des Kreises beheimatet – also beispielsweise im Rathaus, im Ordnungsamt oder ähnlichen Institutionen.

Die Anmeldung kann in der Regel in wenigen Minuten erledigt werden. Man muss dazu lediglich folgende Unterlagen vorlegen und erhält den Gewerbeschein dann direkt ausgehändigt:

  • Anmeldeformular: Das Formular kann meist im Internet direkt heruntergeladen werden, sieht aber je nach Kommune leicht verschieden aus – einfach googeln. Ansonsten kann man das Formular auch direkt auf dem Gewerbeamt ausfüllen.
  • Kopie des (gültigen!) Personalausweises oder Reisepasses
  • Bearbeitungsgebühr: Liegt je nach Stadt zwischen 15 und 60 EUR.
  • Genehmigungen und Nachweise, falls das Gewerbe genehmigungspflichtig ist oder man besondere Auflagen erfüllen muss (beispielsweise Handwerker, Versicherungsmakler oder im Gastgewerbe)
  • Bei ausländischen Staatsangehörigen gegebenenfalls eine Aufenthaltsgenehmigung

Mit dem Erhalt des Gewerbescheins ist man automatisch so genannter „Kleingewerbetreibender“. ACHTUNG: Der Gewerbeschein alleine berechtigt nicht zur Aufnahme des Gewerbes. Nach der Anmeldung erhält man vom Gewerbeamt einen Vordruck zur steuerlichen Erfassung des Gewerbes. Diesen Vordruck muss man ausfüllen und an das örtliche Finanzamt schicken oder dort direkt abgeben (teilweise wird dies auch direkt vom Gewerbeamt gemacht – einfach nachfragen). Das Finanzamt wird dann nach einigen Tagen Bearbeitungszeit eine Bestätigung über die Gewerbeanmeldung und die Steuernummer senden.

WeitereSchritte sind für einen Kleingewerbetreibenden zunächst nicht nötig. Nach Erhalt der Bestätigung des Finanzamts und der darauf aufgeführten Steuernummer kann er seinem Gewerbe nachgehen.

Wie gesehen, ist die Anmeldung eines Gewerbes (relativ) formlos und kostengünstig durchführbar und man benötigt kein Kapital, das man als eventuelles Gesellschaftsvermögen einbezahlen muss. Auf der anderen Seite haftet man allerdings mit seinem Privatvermögen für die Schulden des Gewerbes.

Arbeiten auf Gewerbeschein – Steuern

Für die genaue Berechnung der Besteuerung eines Kleingewerbetreibenden sollte ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein zu Rate gezogen werden. Die hier gemachten Angaben wurden mit bestem Wissen und Gewissen recherchiert und überprüft. Sie können aber eine fachkompetente Beratung nicht ersetzen.

Zunächst einmal die gute Nachricht: Wer mit all seinem Einkommen weniger als 8.130 EUR (Jahr 2013) bzw. 8.354 EUR (Jahr 2014) verdient, ist nicht steuerpflichtig und auch nicht verpflichtet, eine Einkommenssteuererklärung abzugeben. Es ist allerdings ratsam, das zu tun – auch weil das Finanzamt bei Zweifeln an der Höhe der Einkünfte eine Erklärung gegebenenfalls nachfordern kann.

Einkommenssteuer

Für die Einkommenssteuer gibt es den so genannten „Grundfreibetrag“, der zur Sicherung des Grundeinkommens jeder in Deutschland arbeitenden Person dient. Solange der Grundfreibetrag mit dem Bruttogehalt noch nicht erreicht wurde, ist man nicht einkommenssteuerpflichtig. Er verändert sich regelmäßig (in den letzten Jahren jährlich) und lag in den vergangenen Jahren bei folgenden Beträgen:

2010-2012: 8.004 EUR
2013: 8.130 EUR
2014: 8.354 EUR

Wichtig ist, dass sich dieser Grundfreibetrag auf die Bemessungsgrundlage bezieht – also alle Einnahmen, die man aus verschiedenen Einkunftsarten hat, beispielsweise Einkünfte aus Kapitalvermögen (=Zinsen), Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, etc. Übersteigt das Einkommen diese Grenze, muss es beispielsweise im Jahr 2013 ab dem 8.131-ten verdienten Euro versteuert werden.

Wie hoch der Prozentsatz der Einkommenssteuer ist, hängt vom tatsächlichen Verdienst ab. Der Satz steigt von 0% (0 – 8.130 EUR) bis auf 45 % (Einkommen > 250.731 EUR).

Umsatzsteuer

Zur Einberechnung von Umsatzsteuer – im Handel oft auch Mehrwertsteuer genannt – ist ein Gewerbetreibender erst ab einem Brutto-Umsatz in Höhe von 17.500 EUR verpflichtet – oder wenn im nächsten Jahr mehr als 50.000 EUR Umsatz erwartet werden. Sie beträgt dann grundsätzlich 19 % des Umsatzes und für einige Ausnahmen wie beispielsweise Bücher und die meisten Lebensmittel 7 %. Solange dieser Umsatz noch nicht erreicht ist, ist eine Berechnung der Umsatzsteuer auf Rechnungen nicht verpflichtend.

Ein Kleingewerbetreibender kann sich durch die so genannte „Kleinunternehmerregelung“ von der Umsatzsteuer befreien lassen. Er muss dazu nur den Zusatz „Als Kleinunternehmer mache ich von der Regelung nach §19 UStG (Kleinunternehmerregulung) Gebrauch und verzichte auf die Berechnung der Umsatzsteuer.“ auf seine fakturierten Rechnungen schreiben. Zur Inanspruchnahme dieser Regelung ist lediglich ein formloser Antrag beim Finanzamt notwendig.

Neben der Umsatzsteuer sind die 17.500 EUR außerdem noch die Grenze für die Erstellung einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Ab einem Umsatz von 17.500 EUR ist der Gewerbetreibende verpflichtet, eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung anzufertigen und seiner Einkommenssteuererklärung beizulegen. Bis zu diesem Betrag ist die Anfertigung nicht zwingend beizulegen.

Gewerbesteuer

Ab einem Umsatz von 24.500 EUR ist ein Gewerbetreibender auch gewerbesteuerpflichtig. Dies wird allerdings im Rahmen von Promotion-Aktionen und bei Hostessen kaum vorkommen. Daher wird hierauf nicht eingegangen.

Krankenversicherung beim Arbeiten auf Gewerbeschein

Die Krankenversicherung ist ein wichtiges Thema für Selbstständige, da sie nicht als Arbeitnehmer zwangsweise durch die gesetzliche Krankenversicherung oder freiwillig über die private Krankenversicherung versichert sind. Für einen Studenten gibt es die Möglichkeit, bis zum 25. Lebensjahr über die Familienversicherung bei den Eltern versichert zu bleiben, wenn er nicht regelmäßig mehr als 385 EUR (seit 1.1.2013) verdient. Tut man dies, kann man nicht mehr in der Familienversicherung versichert bleiben und muss sich selbst versichern, was bei nur geringem Mehrverdienst erhebliche Kosten verursachen kann.

Problematik der Scheinselbständigkeit

Bei den meisten Promotion Tätigkeiten handelt es sich um abhängige Beschäftigungsverhältnisse, bei denen der Promoter als Arbeitnehmer angestellt und auf Lohnsteuerkarte abgerechnet werden muss. Werden diese Promotion Jobs aber „auf Rechnung“ bzw. „auf Gewerbeschein“ abgerechnet, liegt die sogenannte Scheinselbstständigkeit vor.

Für die Beurteilung ob es sich um Scheinselbstständigkeit handelt, ist nicht ausschlaggebend, welcher schriftliche Vertrag geschlossen wurde, sondern wie das Arbeitsverhältnis in der Praxis ausgeführt wird. Wir haben zu dem Thema Scheinselbstständigkeit deswegen einen eigenen Artiktel verfasst:
Scheinselbstständigkeit bei Promotern

Arbeiten auf Gewerbeschein - Rechnungsstellung

Nachdem ein Auftrag erfüllt wurde, muss man als Selbstständiger den Auftraggebern eine Rechnung schicken, da man sonst nicht für seine Arbeit bezahlt wird. Auf der Rechnung müssen mindestens folgende Angaben vorhanden sein:

  • Der Absender
  • Der Empfänger
  • Die vom Finanzamt zugeteilte Steuernummer und das zuständige FinanzamtDas Datum der Rechnung
  • Eine fortlaufende Nummer der Rechnung (am einfachsten ist die Jahreszahl gefolgt von einer fortlaufenden Nummer)
  • Vom Auftraggeber genannte Aktion (Art und Umfang der Leistung, Kunde, Aktionszeit- und –ort)
  • Leistungszeitraum (kann mit bei Aktionszeit enthalten sein)
  • Nettobetrag – Achtung: Mehrwertsteuer und Bruttobetrag muss man nur ausweisen, wenn man kein Kleingewerbe hat.
  • Das Zahlungsziel
  • Die Kontoverbindung, auf die überwiesen werden soll (Bankinstitut, BLZ, Kontonummer)
  • Eine Unterschrift

Ein Beispiel, das auch gerne als Vorlage verwendet werden kann, findet ihr hier:

Hostess Job über InStaff bekommen

Wenn du Interesse hast Messehostess zu werden, dann kannst du bei uns ein Online Profil erstellen und bekommst dann Jobanfragen für Hostessen Jobs über unsere Plattform.

2 Fragen / Kommentare


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Setara am 23.09. um 15:21 Uhr

Guten Tag,
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann brauche ich bei einer Tätigkeit als Pronoter bei InStaff kein Gewerbeschein, richtig ?

InStaff am 25.09. um 12:33 Uhr

Hallo Setara,
bei InStaff wird jeder Jobber über die Lohnsteuerkarte abgerechnet. Dazu wirst du richtig beim Finanzamt angemeldet und für den Zeitraum eines Jobs rechtssicher über uns angestellt. Die Abrechnung über Rechnung oder Gewerbeschrein machen wir grundsätzlich nicht.
Wenn du noch weitere Fragen dazu hast, dann melde dich gerne jederzeit bei uns.
Viele Grüße - Dein InStaff Team

 

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